Das vergessene Jubiläum

15. Dezember 1898: Vor 120 Jahren wurde unser Hauptgebäude als Schule eingeweiht

Zunächst hatte es in Oberhausen nur Volksschulen gegeben, die von der evangelischen bzw. katholischen Kirche betrieben wurden. 1861 wurden von den beiden Kirchen zwei private Jungenschulen gegründet, die auf den Besuch eines Gymnasiums vorbereiten sollten. 1873 übernahm die Stadt Oberhausen den Betrieb der beiden Schulen und schuf eine paritätische „Höhere Bürgerschule“, die die Klassen 5 bis 10 umfasste. 1878 wurde die Schule staatlich anerkannt.

 

1882 wurde die Höhere Bürgerschule als Realprogymnasium anerkannt, so dass der erfolgreiche Besuch dieser Schule es den Schülern ermöglichte, die Oberstufe eines Gymnasiums zu besuchen. Mit dem Anwachsen der Bevölkerung war die Notwendigkeit entstanden, auch in Oberhausen den Besuch eines Gymnasiums möglich zu machen, so dass die Stadtverordnetenversammlung am 25. Oktober 1896 einen Neubau für das Realprogymnasium beschloss. Am 31. August 1896 erfolgte der erste Spatenstich an der heutigen Schwartzstraße. Vor allem der damalige Bürgermeister Wippermann und Stadtbaurat Regelmann hatten sich für die Errichtung des Gebäudes eingesetzt.

 

Am 26. Oktober 1898 war das Gebäude fertiggestellt und wurde der städtischen Bauverwaltung übergeben. Anfang Dezember erfolgte der Umzug des Realprogymnasiums, dessen Gebäude bislang an der Ecke Sedanstraße / Freiherr-vom-Stein-Straße gelegen hatte, in das neue Gebäude an der Schwartzstraße, die damals noch Bergstraße hieß. Unter tatkräftiger Mithilfe der Schüler wurden vom 2. bis 4. Dezember 1898 Mobiliar, Bücher, Geräte usw. in den Neubau geschafft. Am 4. Dezember fand eine Abschiedsfeier der Schüler und Lehrer im alten Schulgebäude statt.

 

Unser Hauptgebäude wurde am 15. Dezember 1898 als Schule eingeweiht. Der Andrang zur Einweihungsfeier war derart groß, dass mehr als ein Drittel der Besucher keinen Platz in der eindrucksvollen, zwei Stockwerke hohen Aula fanden. In der ehemaligen Aula befinden sich heute der Lehrerbereich und die darüber liegende Bibliothek mit den Differenzierungsräumen. 

 

 

 

Vor allem wurde das „stattliche“ Gebäude gelobt, die hellen und „gesunden“ Klassenräume, die alle nach Norden ausgerichtet waren, und die insgesamt imposante Erscheinung des Gebäudes – die Stadt Oberhausen hatte sich ihr erstes Gymnasium einiges kosten lassen. Und erwähnenswert ist schon, dass dieses Gebäude seit 120 Jahren seinen Zweck erfüllt.

 

Die Einweihungsfeier entsprach dem damals üblichen Ablauf: Drei Reden – des Bürgermeisters, des Direktors und des ehemaligen Direktors – wurden von Auftritten des Schulorchesters, des Schulchores und Spielszenen aus der Geschichte der Schule und der Stadt Oberhausen umrahmt. Vertreter der Bezirksbehörde hatten mit Verweis auf Terminprobleme Einladungen zu der Feier abgelehnt.

 

Die Feiern gingen übrigens weiter: 

 

Am 16. Dezember machten Schüler, deren Eltern und Verwandte und die Lehrer einen Ausflug zur „Waldschenke“ nach Borbeck, in der ein „mit heiteren Reden gewürztes Mahl“ eingenommen wurde, wobei der Chronist erwähnt, wie eindrucksvoll die Gesänge der 170 Schüler auf dem nächtlichen Heimweg geklungen hätten. 

 

Am 18. Dezember trafen sich die ehemaligen Schüler mit den Lehrern zu einem „Kommers“ (= kollektives Besäufnis) in der Gaststätte „Haideblümchen“, wobei der Chronist bemerkte, dass die ehemaligen Schüler erkannt hätten, dass Lehrer keine „herzlosen Tyrannen“ seien, sondern dass die „pflichtgemäße Strenge des Lehrers Liebe ist“.

 

Zwar war das Engagement der Stadt Oberhausen für ihr erstes Gymnasium außergewöhnlich, jedoch sollte man nicht vergessen, wie Reif in seiner Habilitationsschrift „Die verspätete Stadt. Industrialisierung, städtischer Raum und Politik in Oberhausen 1846-1929“ (lesenswert!) erwähnt, dass die Stadt dafür an anderer Stelle sparte – vor allem bei den Volksschulen, die vorwiegend von den Arbeiterkindern besucht wurden. Hier unterrichteten zeitweise 26 Lehrer in neun Schulen 2600 Volksschüler.

 

Übrigens vergaß ich zu erwähnen, dass das städtische Realprogymnasium eine reine Jungenschule war, Mädchen konnten damals in Oberhausen kein Abitur ablegen – das erste Oberlyzeum (= Bildungseinrichtung für Mädchen, dessen Abschluss zum Besuch einer gymnasialen Oberstufe berechtigte) wurde erst 1909 gegründet.

 

H.W. Tiedtke

vorstand@efga-ob.de

Schwartzstr. 87, 46045 Oberhausen