Lernen unter dem Galgen:

Die Gesamtschule Alt-Oberhausen

Einige hatten es ja schon immer vermutet: Unsere Schule hat irgendetwas mit einer Hinrichtungsstätte gemeinsam.

Vor der Industrialisierung war die heutige Stadtmitte ein großes, fast menschenleeres Heidegebiet, die „Lipper Heide“. An der Stelle, an der heute unsere Schule steht, befand sich bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts der Galgen, an dem die Schwerverbrecher der Herrschaft Broich und später des Landkreises Mülheim erhängt wurden. Der Galgen stand am nordwestlichen Rand einer leichten Erhebung, die „Galgenberg“ genannt wurde. Er befand sich am nördlichen Rand des damaligen Landkreises Mülheim an der Grenze zum Gebiet der Gemeinde Borbeck, zu der damals die Dörfer Lippern und Lirich gehörten. Auch heute noch kann man an der nach Westen abfallenden Schwartzstraße und der nach Norden und Süden hin abfallenden Mülheimer Straße erkennen, dass unsere Schule auf einer Anhöhe steht – eben dem „Galgenberg“.

Der Standort des Galgens war für derartige Hinrichtungsanlagen typisch: Er befand sich an der Grenze des Gerichtsbezirks und möglichst weitab der Bebauung, aber möglichst weit sichtbar auf einer Anhöhe und in der Nähe einer wichtigen Durchgangsstraße, da man häufig die Hingerichteten noch tagelang als Abschreckung für andere Kriminelle am Galgen hängen ließ.

Und seien wir doch ehrlich: Was ist geeigneter für den Standort einer Schule als eine ehemalige Galgenanlage?

 

Autor: Hans-Werner Tiedtke

vorstand@efga-ob.de

Schwartzstr. 87, 46045 Oberhausen